Wie werde ich Pflegemutter oder Pflegevater?

Wie werde ich Pflegemutter oder Pflegevater?

Infoabend im Landratsamt Heidelberg am 08. August 2011

Das Ehepaar Schneider trägt sich schon lange mit dem Gedanken, ein Pflegekind bei sich aufzunehmen. Die eigenen Kinder sind inzwischen schon erwachsen und von zu Hause ausgezogen. Herr Schneider ist als Buchhalter in einem mittelständischen Unternehmen hier in der Region tätig, Frau Schneider hat ihren Beruf als Krankenschwester zunächst mit der Geburt der Kinder aufgegeben und arbeitet seit einigen Jahren, nachdem die Kinder größer geworden waren, stundenweise am Wochenende in einer Sozialstation.

„Mit dem Thema Pflegefamilie kamen wir erstmals im Urlaub vor zwei Jahren in Berührung, als wir in Italien eine Familie kennen lernten, die neben den beiden eigenen Kindern noch zwei Pflegekinder dabei hatte“, schildern die Eheleute. Es folgten weitere Anstöße über Berichte im Fernsehen und in der Zeitung. Als Frau Schneider vor einigen Wochen aufgrund ihres ehrenamtlichen Engagements im Sportverein beim Bürgerempfang ihrer Heimatgemeinde geehrt wurde, stellte sie mit Erstaunen fest, dass dort auch eine Pflegefamilie für deren Tätigkeit ausgezeichnet wurde. „Nachdem mein Mann wenige Tage darauf in der Zeitung las, dass das Jugendamt des Landratsamtes Rhein-Neckar-Kreis Pflegefamilien sucht, waren wir uns schnell einig, mit den Ansprechpartnern beim Jugendamt Kontakt aufzunehmen“, wie Frau Schneider berichtet. Dort erläuterten die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter vom Pflegekinderdienst dem Ehepaar die Aufgaben des Jugendamtes, die unterschiedlichen Formen der Vollzeitpflege von einer nur kurzzeitigen Aufnahme eines Kindes, dessen Mutter zum Beispiel für einige Tage ins Krankenhaus muss, bis hin zur Dauerpflege, bei der das Kind bis zur eigenen Selbstständigkeit in der Pflegefamilie lebt. „Interessant war für uns, aus welchen unterschiedlichen Gründen für Kinder eine Pflegefamilie gesucht wird“, so Herr Schneider. Den Erwartungen, die das Jugendamt an künftige Pflegeeltern stellt, wie beispielsweise körperliche und geistige Gesundheit, ausreichend Zeit, gesichertes Einkommen und geeignete Wohnverhältnisse, fühlen sich die Schneiders gewachsen. „Beruhigt hat uns, dass das Jugendamt die Pflegeeltern mit der Aufgabe nicht allein lässt, wenn schwierige Situationen auftreten. Unterstützend ist zudem, dass die für uns zuständige Fachkraft beim Jugendamt regelmäßig zu Besuch kommt und den Kontakt hält“, teilen Frau und Herr Schneider mit. „Dass das Jugendamt auf eine gute Vorbereitung Wert legt, ist für uns gleichfalls wichtig.“ Nach einigen Tagen Bedenkzeit rief Frau Schneider beim Jugendamt an und vereinbarte für sich und ihren Mann einen Termin. „Dabei konnten wir nochmals alle Fragen besprechen, die uns in den letzten Tagen durch den Kopf gegangen sind. Auch die Motivation, die letztendlich zur Bewerbung als Pflegefamilie geführt hatte, war dabei Thema“, so Frau Schneider.

Zur weiteren Vorbereitung auf die Aufnahme eines Pflegekindes lud Frau Hirsch vom Pflegekinderdienst die Schneiders zur Teilnahme an einem Qualifizierungskurs für Pflegeeltern ein. Dieser Kurs bereitet die Teilnehmerinnen und Teilnehmer unter anderem aus die Themen vor, wie sich die eigene Familiensituation durch die Aufnahme eines Pflegekindes verändern und wie ein zunächst fremdes Kind gut in die Pflegefamilie integriert werden kann. Dabei ist das Verständnis des Bindungsverhaltens eines Kindes an seine Bezugspersonen eine wichtige Hilfe, aber auch das Wissen darum, mit welchen Erfahrungen Kinder in der Pflegefamilie ankommen und welche Erwartungen, aber vielleicht auch Ängste sie dabei begleiten. Weiter stehen die Themen Zusammenarbeit mit der Herkunftsfamilie des Pflegekindes und die Gestaltung der Umgangskontakte auf dem Programm des Kurses. Die künftigen Pflegeeltern sollen durch praktische Beispiele und Übungen hier Sicherheit bekommen. „Natürlich ist es auch wichtig zu wissen, was man als Pflegemutter oder Pflegevater für das Kind entscheiden darf. Ein kompletter Abend des Kurses erläutert hierzu die rechtlichen Voraussetzungen“, berichten die Eheleute Schneider. Ausführlich wird die zukünftige Zusammenarbeit mit dem Jugendamt besprochen und werden die Angebote vorgestellt, mit denen der Pflegekinderdienst die Pflegefamilien unterstützt. Regelmäßige Fortbildungen und Austauschgespräche gehören hier zum Standard, aber auch gesellige Veranstaltungen und Familiennachmittage zusammen mit den Kindern. Von den künftigen Pflegeeltern wird hierbei erwartet, dass sie regelmäßig an solchen Veranstaltungen teilnehmen, um den Kontakt zum Jugendamt und den anderen Pflegefamilien zu halten.

„Besonders gespannt sind wir auf den ersten Kursabend“, äußern Frau und Herr Schneider. „Wir sind froh, die Entscheidung, ein Pflegekind aufzunehmen, getroffen zu haben. Durch die Gespräche mit den Fachkräften des Jugendamtes und die Teilnahme am Qualifizierungskurs fühlen wir uns gut auf diese Aufgabe vorbereitet“, so die Eheleute Schneider. Außerdem haben sie in diesem Kurs noch andere Familien mit dem gleichen Wunsch kennen gelernt. Dabei ist die Verabredung entstanden, sich auch später regelmäßig zu treffen und sich – wenn nötig – gegenseitig zu helfen.

Pflegefamilien werden im Rhein-Neckar-Kreis für Kinder aller Altersgruppen gesucht. „Wir freuen uns über jede neue Familie, die ein Pflegekind aufnehmen möchte“, betont Frau Hirsch vom Pflegekinderdienst.

Wer sich wie die Eheleute Schneider über das Thema Pflegekind informieren möchte, kann sich mit den Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Pflegekinderdienstes des Jugendamtes im Rhein-Neckar-Kreis unter Tel. 06221/522-1520 oder E-mail: susanne.hirsch@rhein-neckar-kreis.de in Verbindung setzen.

Der nächste Informationsabend für Pflege- und Adoptivbewerber findet am 8. August 2011, 17 bis 19 Uhr im Großen Sitzungssaal, 5. OG des Heidelberger Landratsamts, Kurfürstenanlage 38 – 40 statt. Anmeldung unter Tel. 06221/522-150, Fax: 06221/522-91511 oder E-mail: heinrich.knester@rhein-neckar-kreis.de.

Pressemitteilung des Landratsamt Rhein-Neckar-Kreis